Red Dot Award: Design Concept

Interview mit Joseph Burge von GE Healthcare

Joseph Burge über seine Herangehensweise an Design

Joseph Burge ist GE Healthcares leitender Industriedesigner. Als führender Industriedesign-Experte in funktionsübergreifenden Teams entwickelt er Produkte und Designkonzepte der Zukunft. Bei seinen Entwürfen legt er den Fokus auf Benutzerfreundlichkeit, Ergonomie, Workflow und das Gesamtnutzererlebnis.

Seine lebenslange Liebe zu gutem Design machte Burge zum Beruf: Er arbeitet seit nunmehr sechs Jahren als Industriedesigner. Industriedesign entdeckte er während seines Studiums der Künste und Anthropologie für sich – in dieser Disziplin fand er eine für ihn perfekte Kombination, die ihm die Anwendung seines mechanischen Geschicks, seiner künstlerischen Fähigkeiten sowie seiner Studienerkenntnisse ermöglichte.

Joseph Burge über seine Herangehensweise an Design.

Worin liegt Ihre erste Priorität: im Unternehmen oder beim Kunden?

Ich bin der Meinung, dass Design immer beim Kunden beginnen sollte. Zunächst sollte man im Entwurfsprozess danach streben, ein für den Endnutzer ideales Produkt zu schaffen; erst dann geht es daran, das Design in Teamarbeit für den Geschäftserfolg zu optimieren.

Wie würden Sie Ihren Prozess der Designforschung beschreiben?

Ich versuche, so oft wie möglich Feldforschung zu betreiben, also Beobachtungen anzustellen und mit den Menschen zu interagieren, welche unsere Produkte tagtäglich nutzen. Dies bedeutet in der Regel, medizinischen Fachkräften in Krankenhäusern bei der Bedienung unserer Geräte (CT, MRT, Röntgen, Ultraschall usw.) über die Schulter zu schauen. So erhalten wir nicht nur Feedback ihrerseits, sondern auch vonseiten der Patienten. Allerdings kann es aufgrund der nötigen Privatsphäre bei vielen klinischen Eingriffen, in welchen unsere Produkte genutzt werden, schwierig sein, einen Klinikzugang für die nötige Produktforschung zu erhalten. Um dies zu umgehen, simulieren wir zusammen mit medizinischen Fachkräften und freiwilligen „Patienten“ klinische Anwendungen in unseren Usability-Laboren. Diese simulierten Anwendungsszenarien eignen sich besonders gut für Prototypentests, welche wir sonst nicht in Krankenhäusern und in Interaktion mit echten Patienten durchführen könnten. Unsere Erkenntnisse werden im Anschluss mithilfe verschiedener Methoden zusammengefasst und aufgezeichnet, um die Entdeckung neuer Möglichkeiten zu erleichtern.

Woran erkennen Sie ein gut gestaltetes Produkt?

Im Gesundheitsbereich stehen Faktoren wie u. a. Reinigungsfähigkeit und Haltbarkeit im Vordergrund – aber auch die Patientenwahrnehmung ist wichtig. Beispielsweise sollte das Produkt nicht allzu komplex und zudem nicht furchteinflößend aussehen. Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass gut gestaltete Produkte zuverlässig funktionieren sowie einfach und intuitiv zu bedienen sein müssen. Außerdem sollten sie auf unauffällige Art und Weise die Bedienung inklusive möglicher Fehler antizipieren. Und natürlich sollte das Design auch optisch attraktiv sein.

Haben Sie persönlich von der Vorbereitung eines Großprojekts profitiert?

Man profitiert stets persönlich von der Arbeit – unabhängig von der Größe eines Projekts. Man sammelt nämlich Erfahrung. Die Erfahrungen, die man bei jedem einzelnen Projekt macht, machen einen nicht nur zu einem besseren Designer und wertvolleren Mitarbeiter, sondern erstrecken sich auch auf andere Lebensbereiche.

Was war der bedeutsamste Moment in Ihrer Designkarriere?

Ein von mir selbst entworfenes Produkt zum ersten Mal zum Verkauf in einem Geschäft ausgestellt zu sehen, war einer meiner persönlich besten Momente. Ich erinnere mich noch gut daran, wie lange ich mich im Gang herumgetrieben und versucht habe, als normaler Kunde durchzugehen – eigentlich habe ich nur darauf gewartet, dass jemand mein Produkt aus dem Regal nimmt oder vielleicht sogar etwas dazu sagt. Aber der für mich bedeutsamste Moment war der, als ich meine Tätigkeit bei GE Healthcare begonnen habe und so die Möglichkeit bekam, wirklich wichtige Produkte zu entwerfen, die einen realen Einfluss auf Menschenleben haben und diese sogar retten können.

Die Ausbildung zum Designer endet nie, zumindest nicht für großartige Designer. Wie lernen Sie dazu? Wie vergrößern Sie Ihr Wissen und Ihre Expertise?

Expertise erwächst aus Erfahrung. Erfahrung gewinne ich durch meine persönlichen Erfolge und Misserfolge, welche jedes Projekt begleiten. Diese Erfahrung kann ich dann bei der Arbeit am jeweils nächsten Projekt anwenden. Zudem lerne ich von den großartigen Designern, mit denen ich zusammenarbeite. GE Healthcare unterhält nicht nur sein Studio in den USA, sondern hat ebenfalls Mitarbeiter in Frankreich, Indien und China. Wir treffen uns regelmäßig, um Projekte und Techniken aus der Studiopraxis miteinander zu teilen; ich sehe dies als exzellente Möglichkeit, kollektives Wissen von Designern mit verschiedenen Erfahrungen und Perspektiven miteinander zu vereinen. Abgesehen davon erweitere ich mein Wissen durch die Teilnahme an Software-Weiterbildungen, Designkonferenzen und Workshops – sowie natürlich dadurch, dass ich mich in Bezug auf Designtrends und Technologie in anderen Industrien auf dem Laufenden halte.

Können Sie Ihre Firmenkultur in drei Worten beschreiben?

Immer weiter vorwärts.

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Teilnahmezeiträume:

Regular – Standard-Einreichung: 10. Februar – 24. März

Latecomer – Späteinreichung: 25. März – 17. Mai

 

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