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Auf dem Weg zu „Designed in China“

China galt lange Zeit als der Inbegriff für günstige Produktionsbedingungen, wodurch das „Reich der Mitte“ zur „Werkbank der Globalisierung“ stilisiert wurde. Markenfälschungen wie „Nokir“, „Samsing“ oder „Fuma“ sowie professionelle Kunstfälschungen aus Shenzhen machten die Runde. Obwohl die respektvolle Nachahmung - genannt Shanzhai - die gesamte chinesische Gesellschaft durchdringt, erkennen chinesische Unternehmen aber zunehmend, dass die Kopie keine Lösung für eine erfolgreiche Unternehmenskultur darstellt. Dabei soll gleichzeitig ein Gegengewicht zu erfolgreichen westlichen Marken geschaffen werden.

Spätestens seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 1998 kennzeichnet sich der chinesische Markt durch eine wachsende Vielfalt an Konsumgütern. Dadurch wird auch dem Design eine neue Bedeutung zugeordnet. Das wird durch zahlreiche staatliche Initiativen deutlich: beispielsweise bieten über 1.400 Hochschulen und Universitäten ein Kunst- und Designstudium an. Die Absolventen dieser Hochschulen stehen vor der Herausforderung, eine eigene Designsprache zu finden. Obwohl ein Teeservice als typisch chinesisch gelten kann, wird eine allgemeingültige Gestaltungsentwicklung durch die Kulturrevolution eingeschränkt. Im Vergleich dazu wäre die heutige westliche Markenkultur, neben dem wirtschaftlichen Fortschritt, ohne die Ideengeschichte des Originals, des Verständnisses des Künstlers als Genie und folglich des Individuums als Urheber nicht möglich.

Führende Unternehmen, die bereits technologischen Fortschritt in eine neue Produktsprache umsetzen, sind unter anderem die Handyhersteller Huawei, Xiaomi Tech und ZTE, der Elektronikkonzern TCL und Lenovo: Der Computerhersteller wurde 2013 als erstes chinesisches Unternehmen zum Red Dot: Design Team of the Year gekürt. Das „Lenovo Design & User Experience Team“ wurde für einzigartige Formen und Anwendungen ausgezeichnet, aber auch für den kreativen Einsatz von Materialien, die bislang noch nicht bei Notebooks und Tablets verwendet wurden. Bereits 2007 hat die Haier Group ebenfalls eine Vorreiterrolle eingenommen. Als erstes chinesisches Unternehmen überhaupt wurde sie im Red Dot Award: Product Design ausgezeichnet. Prämiert wurde eine Waschmaschine, die durch eine damals innovative Touch-Kontrolle und eine ausgereifte Pulsator-Waschtechnik überzeugt.